
Horner Magazin
Natur erleben, Gemeinschaft stärken
Die Kinder- und Jugendfarm auf dem Weg in die Zukunft
Text & Fotos: Hans-Wendt-Stiftung
Am Lehester Deich, dort, wo sich Wiesen öffnen und der Blick weiter wird, entsteht ein Ort, der im besten Sinne entschleunigt – und zugleich neue Energie freisetzt. Die Kinder- und Jugendfarm Borgfeld steht vor einer spannenden Weiterentwicklung. Was hier wächst, ist mehr als ein Angebot für Kinder: Es ist ein Raum für Gemeinschaft, Inklusion und gelebte Naturverbundenheit – getragen von der Hans-Wendt-Stiftung und offen für den ganzen Stadtteil.
Schon lange ist die Farm ein fester Bestandteil Borgfelds. Viele Kinder kennen sie als Ort, an dem man Tiere versorgt, baut, spielt, ausprobiert – fern von Taktung und Leistungsdruck. Mit dem neuen Konzept „NaturErleben Bremen“ richtet sich der Blick nun bewusst nach vorn. Auf rund fünf Hektar des hinteren Geländes soll eine inklusive Farm für Kinder, Jugendliche, Familien und die Stadtgesellschaft entstehen. Ziel ist es, Bewährtes zu bewahren und gleichzeitig neue Impulse zu setzen: für gemeinsames Lernen, kulturelle Begegnung und nachhaltiges Aufwachsen mitten im Grünen.
Ein Ort mit Haltung
Wer über die Zukunft der Kinder- und Jugendfarm Borgfeld spricht, kommt an Friederike Reinsch, der Leiterin der Farm, nicht vorbei. Mit spürbarer Leidenschaft, fachlicher Klarheit und großer Nähe zu den Menschen prägt sie die Entwicklung dieses besonderen Ortes. Für sie ist die Farm kein Projekt, sondern ein lebendiger Raum, der Kinder, Jugendliche und Familien stärkt – im eigenen Tempo und mit den eigenen Möglichkeiten.
Friederike Reinsch denkt Inklusion nicht als Zusatz, sondern als Haltung. Eine Haltung, die sich im barrierearmen Umfeld ebenso zeigt wie im wertschätzenden Blick auf jede Familie. Besonders wichtig ist ihr, auch jene in den Fokus zu rücken, die im Alltag oft wenig gesehen werden: Geschwisterkinder, Eltern unter hoher Belastung, Kinder mit Unterstützungsbedarf. Auf der Farm entsteht für sie ein Gegenpol zum Alltag – ein Ort, an dem nichts erwartet werden muss, aber vieles möglich ist. Natur wird dabei zur Verbündeten: Sie beruhigt, verbindet und gibt Halt.
Diese Mischung aus Professionalität und Wärme prägt die Atmosphäre der Farm spürbar – und sie wirkt ansteckend. Mitarbeitende, Ehrenamtliche und Kooperationspartner:innen tragen die Idee weiter, dass gemeinsames Spielen und Lernen in der Natur nicht nur Kinder stärkt, sondern Gemeinschaft wachsen lässt.


Inklusion leben – gemeinsam Zeit in der Natur
Ab Februar 2026 startet das Projekt „Farm inklusiv. Natur verbindet – Zeit für uns.“, das mit Unterstützung der Deutschen Fernsehlotterie realisiert wird. In festen Gruppen erleben Familien mit Kindern mit Behinderungen hier gemeinsame Zeit in der Natur. Sie pflanzen, pflegen, versorgen Tiere oder genießen einfach den Moment. Begleitet werden sie von fachkundigen Kräften aus der Gartenpädagogik und tiergestützten Arbeit. Die Angebote schaffen Entlastung, stärken familiäre Bindungen und eröffnen neue Möglichkeiten sozialer Teilhabe.
Besonders im Blick sind auch die Geschwisterkinder. Für sie gibt es eigene Zeiten, in denen sie sich ausprobieren, austauschen und Kraft tanken können. Gleichzeitig bleiben offene inklusive Angebote ein fester Bestandteil der Farmarbeit.
Lernen, spielen, staunen – ein Bildungsort im Grünen
Auch als Lernort gewinnt die Farm weiter an Bedeutung. Kitas und Schulen nutzen die Umwelt- und Klimabildungsangebote schon seit Jahren. Hier lernen Kinder nicht aus Büchern, sondern im Tun: über ökologische Kreisläufe, Ernährung, Biodiversität – manchmal auch ganz praktisch „rund ums Schaf“. Natur wird so zum Erfahrungsraum, der Wissen nachhaltig verankert.
Ein sichtbares Zeichen der Weiterentwicklung ist der neue Wasserspielplatz, der durch eine großzügige Spende des Kiwanis Club Bremen Ginkgo realisiert werden konnte. Matschen, planschen, experimentieren – hier vereinen sich Spiel, Lernen und Klimabewusstsein auf ganz selbstverständliche Weise. Gerade an warmen Tagen wird er zu einem neuen Treffpunkt für Kinder und Familien.

Offene Kinder- und Jugendarbeit & Kultur im Grünen
Die Farm bleibt auch künftig ein Ort der offenen Kinder- und Jugendarbeit. Kinder ab sechs Jahren können an den Nachmittagen ohne Anmeldung Zeit auf dem Gelände verbringen – Tiere versorgen, Feuer machen, bauen, spielen. Ergänzt wird das Angebot durch die beliebten Farmsamstage für Familien.
Darüber hinaus öffnet sich die Farm zunehmend für Kultur im Grünen: Theateraufführungen, kleine Konzerte, Workshops und Feste laden dazu ein, Natur auch als kulturellen Begegnungsort zu erleben. Kultur draußen verbindet – generationenübergreifend und niedrigschwellig.
Ein Ort zum Mitgestalten
Noch befindet sich vieles in der Entwicklung, doch die Richtung ist klar: Die Kinder- und Jugendfarm Borgfeld soll ein Modellort für Inklusion, Umweltbildung und Gemeinschaft werden. Dafür braucht es engagierte Menschen aus dem Stadtteil. Wer sich einbringen möchte, ist herzlich willkommen – als Farm-Freund:in, Pat:in für ein Tier oder einen Apfelbaum, als Kooperationspartner:in oder einfach als regelmäßiger Gast.
Die Farm lädt ein, neu darüber nachzudenken, wie Kinder spielen, lernen und aufwachsen können: naturnah, gemeinschaftlich und mit dem Gefühl, dazuzugehören. Genau darin liegt ihre besondere Kraft – und ihre Zukunft.
www.jugendfarm-hwst.de



