
SCHWACHHAUSEN Magazin
Zwischen Bürgerpark & Bytecode
Frank Brunnée betrachtet
die Kunstgeschichte neu
Dabei stellt er Geschichte nicht auf den Kopf. Er verschiebt jedoch die Perspektive und schaut humorvoll zu, was dann passiert.
Wer die Parkallee nahe des Bürgerparks entlanggeht, ahnt kaum, was sich hinter der Fassade eines der Altbremer Häuser verbirgt. Hier arbeitet Frank F. Brunnée. Seit Jahrzehnten in Bremen als Marketing-Mensch bekannt. Für viele überraschend: eben auch Künstler.
„Die meisten kennen mich als Werber“, sagt er mit einem Lachen. Strategien, Promotions, Corporate Identity. Seit über 35 Jahren begleitet er mit seinem Agenturteam Unternehmen. Dass sich hinter diesem Profil immer auch ein Künstler verbarg, wissen längst nicht alle.
Von „Hobby im Ruhestand“ kann keine Rede sein. Dafür ist die Auseinandersetzung zu intensiv. Und zu aktuell.
Zwischen Druckfarbe und Digitalcode
Brunnée wurde klassisch als Druckvorlagenhersteller ausgebildet. Rasterfolien, Montagekleber, Reprokameras. In den 1980er-Jahren arbeitete er bereits mit den ersten Macs. Ganze 10 Megabyte Speicherkapazität – heute fast rührend.
Technologie war für ihn nie Selbstzweck, sondern Werkzeug. Marketing verstand er stets auch als gestalterische Disziplin. Digitale Prozesse begleiteten ihn früh – im Agenturalltag und bei gemeinsam mit der Universität Bremen entwickelten Softwareanwendungen.
Seit Anfang 2023 arbeitet er intensiv mit Künstlicher Intelligenz. „Ich habe die Digitalisierung nie erlitten“, sagt er. „Ich habe sie immer mit großer Neugier genutzt.“
Und genau hier setzt sein neues Buch an.

Kunstgeschichte mit Augenzwinkern
„Digitale Kunstgeschichte – Ein ironischer Blick auf Kunst und Technologie“ heißt das 168 Seiten starke Werk mit 80 großformatigen Abbildungen. Kein theoretisches KI-Sachbuch, kein Leitfaden. Ein Kunstband.
Die zitierten Künstler stehen im Mittelpunkt. Und mitten in ihren Werken sind Laptop, Smartphone, Headset oder digitale Interfaces selbstverständlich integriert. Nicht wie eingeklebt. Sondern kompositorisch gesetzt.
Sie folgen Perspektiven und Proportionen. Sie finden dort statt, wo sie stehen würden, wenn Digitalisierung immer Teil der jeweils gezeigten Epoche gewesen wäre. Renaissance mit Rechner und Headset, Barock mit Flatscreen und Smartphone, Graphic Novel mit Social Media. In klassischen wie zeitgenössischen Kompositionen tragen die digitalen Werkzeuge das Bild mit einem Augenwinkern, ohne es zu stören.
Auch junge Leute finden hier einen erstaunlich direkten Zugang zu allen Kunstepochen. Die begleitenden Texte ordnen fundiert ein und erlauben sich Ironie – ohne zu dozieren und ohne die Werke zu banalisieren. Die Arbeiten entstehen nicht „mal eben schnell als Prompt“, sondern aus genauer Auseinandersetzung mit Stil, Epoche und Bildaufbau. Genau darin liegt ihre Spannung.
Analog bleibt analog
„Ein Klick macht noch kein Konzept.“ Wer hier ausschließlich Digitales erwartet, wird beim Blick auf Brunnées Farbstiftzeichnungen und Skulpturen überrascht sein. Vieles entsteht im Garten, im wechselnden Licht, mit Geduld und ruhiger Hand.
„Meine analoge Seite überrascht manche“, sagt Brunnée. „Und sie lässt mich selbst immer am Boden bleiben.“
Es geht ihm nicht um Beweise, sondern um Haltung. Um Können statt Effekt. Um Freiheit in der Idee und Präzision in der Umsetzung.
Seine Position zur Künstlichen Intelligenz ist weder euphorisch noch kulturpessimistisch. KI ist für ihn ein wichtiges Werkzeug. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger. Und sie wird bleiben.

Erste Ausstellung – weitere folgen
Eine erste Auswahl seiner Arbeiten wurde im Industrie-Club im Haus am Markt 1 ausgestellt.
Aus dem Buch sind zudem zwölffarbig gedruckte Fine Art Prints in limitierter Auflage entstanden. Zwölf Druckfarben ermöglichen feinste Schattierungen und große Farbtiefe auf baumwollhaltigem Karton. Motive von den Höhlenmalereien bis zur Moderne – mit digitalen Werkzeugen als selbstverständlichem Bestandteil der Bildwelt. Die Blätter sind signiert erhältlich. Weitere Ausstellungen auch außerhalb Bremens sind in Vorbereitung.
Worte und Bilder
Privat lebt Brunnée mit seiner Frau in Horn. Mit ihrem „Textbüro Bremen“ schreibt sie als Ghostwriterin Lebensgeschichten für inhabergeführte Unternehmen – oft zu Jubiläen, manchmal einfach, damit gelebte Biografien nicht zwischen Aktendeckeln verschwinden. Er gestaltet daraus umfangreiche Bildbände.
Die Bremer Stadtmusikanten – immer neu und anders
Für Brunnée als echtem Bremer spielen auch die Stadtmusikanten eine Rolle. Ohne Folklorefilter. Brunnée interpretiert neu und bricht Sehgewohnheiten mit Humor auf. Bücher, Kunstdrucke und Postkarten sind bei Touristen und Bremern beliebt, weil sie das Märchen nicht wiederholen, sondern immer wieder neu erzählen.
Und es gibt auch die Zusammenarbeit mit privaten Auftraggebern. Etwa Motive für die Böttcherstraße oder Werder Bremen. „Lebenslang Grün-Weiß“ mit den Stadtmusikanten im Werder-Trikot. Ein wenig Humor schadet bei der aktuellen Tabelle schließlich nicht.

Perspektivwechsel als Prinzip
Wer Brunnée nur aus der Unternehmenswelt kennt – oder bislang gar nicht – entdeckt eine weitere Facette. Neben dem Marketingstrategen steht seit Jahrzehnten ein Beobachter visueller Kultur. Einer, der Bild, Technologie und Wahrnehmung zusammendenkt.
Sein Buch ist keine Abrechnung mit der Gegenwart. Es ist eine Einladung, sie mit einem inneren Lächeln zu betrachten.
Ein digitaler Blick ins Buch ist auf seiner Website möglich. Wer tiefer eintauchen möchte, findet „Digitale Kunstgeschichte“ im Buchhandel oder direkt unter www.brunnee-art.de. Und natürlich kann man auch in der Parkallee 48 am Stern vorbeischauen.
www.brunnee-art.de



